1900-1945

Kommunalpolitische Ziele

Die badischen Sozialdemokraten jener Zeit kämpften auch für eine Demokratisierung des Wahlrechts zum badischen Landtag. Als Hauptantrieb für die Arbeit in den Gemeinden haben die früh und nachdrücklich erhobenen Forderungen nach Aufhebung des Octrois (einer indirekten Gemeindesteuer, die auf Lebensmittel erhoben wurde) und des Schulgeldes, nach freier und gleicher Leichenbestattung und der Errichtung kommunaler Bibliotheken und öffentlicher Bäder zu gelten. Ihr Ziel war, aus den Gemeinden demokratische, stärker im Dienste der ärmeren Volksschichten stehende Selbstverwaltungskörperschaften zu machen. Im Gesundheitswesen konzentrierten sich die Bemühungen auf hygienische Wohnungen und den Bau von Wasserleitungen und Kanalisation. Die Sozialdemokraten setzten sich für Fortschritte und Reformen auf vielen Gebieten ein. Die sozialdemokratischen Gemeinderäte Albert Schäfer und Wilhelm Müller (Gemeinderat von 1919 bis 1933) haben den Bau der Wilferdinger Wasserversorgung gegen den Widerstand der Bürgerlichen durchgesetzt. Die Namen aller Mitglieder des damaligen Gemeinderates sind über dem Eingang des Pumpwerkes bei den Seewiesenquellen in Stein gehauen.
Für sehr wichtig erachtete man damals, den Mitgliedern die Möglichkeit zur Fortbildung zu geben. So entstanden in allen drei Ortsvereinen Bibliotheken mit politischer, aber auch allgemeinbildender Literatur. Diese Bibliotheken wurden lebhaft benutzt, wie unter anderem aus dem Protokoll der Jahreshauptversammlung des Nöttinger Ortsvereins im Februar 1911 hervorgeht. Besonders erfreulich ist, daß die Bücherei des Wilferdinger Ortsvereins heute noch erhalten ist. Dies ist nicht selbstverständlich, fielen doch die meisten Bücher der nationalsozialistischen Bücherverbrennung zum Opfer. Unser langjähriges Vorstandsmitglied Gustav Müller (Gemeinderat von 1951 bis 1956) hat diese Unterlagen unter erheblichen Gefahren für sich und seine Familie in den Jahren der braunen Herrschaft in seinem Hause versteckt.

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